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Ein Paket für Renate – und die Sache mit der Schnacktür

vor 6 Stunden
3 Min. Lesezeit

An diesem Vormittag war im Strickcafé noch nicht viel los.

Elke stand hinter dem Tresen und räumte gerade die letzten Tassen ins Regal, als sie hinten die Schnacktür hörte.

Keine Klingel. Kein Klopfen.

Nur die Tür, die aufging.

„Moin. Paket für dich.“

Der Postbote kam mit einem mittelgroßen Karton unter dem Arm herein, als wäre das der selbstverständlichste Weg der Welt.

Elke drehte sich zu ihm um.

„Moin.“

Er stellte das Paket auf den Tresen und zog schon seinen Scanner aus der Tasche.

Elke warf einen Blick auf den Aufkleber.

Dann noch einen.

„Das ist nicht für mich.“

Der Postbote sah auf das Paket.

„Lütte Straße 13.“

„Ja.“

Elke tippte mit dem Finger auf den Namen.

„Renate.“

Er las.

Dann sah er zu Elke.

„Ach.“

Elke verschränkte die Arme.

„Seit wann wohnt Renate hier?“

Der Postbote verzog den Mund zu einem Grinsen.

„Vielleicht seit heute.“

„Dann hoffe ich, dass sie wenigstens Miete zahlt.“

Er drehte das Paket noch einmal.

„Die Hausnummer stimmt.“

„Die Hausnummer schon.“

„Dann wird sie sich schon was dabei gedacht haben.“

Elke kannte Renate lange genug, um das für durchaus möglich zu halten.

Und tatsächlich dauerte es keine Viertelstunde, bis ihr Handy vibrierte.

Eine Nachricht von Renate.

Falls ein Paket für mich kommt: Nicht wundern. Hab deine Adresse genommen. Bin später da.

Elke las den Satz zweimal.

Dann sah sie zum Karton.

„Natürlich.“

Der Postbote war längst wieder unterwegs.

Das Paket blieb.

Und genau so funktioniert die Schnacktür in Westerum.

Sie ist der Hintereingang des alten Hauses in der Lütten Straße 13. Freunde, Nachbarn und Menschen, die hier seit Jahren ein und aus gehen, benutzen sie ganz selbstverständlich.

Wer durch die Haustür kommt, klingelt meistens.

Wer durch die Schnacktür kommt, ruft eher:

„Moin, ich bin’s.“

Oder offenbar:

„Paket für dich.“

Für Elke gehört das längst zum Alltag.

Der Postbote kann dort etwas abstellen, wenn er weiß, dass sie unten im Café ist. Bekannte kommen darüber herein. Und Renate benutzt die Tür sowieso, als wäre sie mindestens zur Hälfte ihre eigene.

An diesem Vormittag gehörte ihr immerhin schon einmal ein Paket im Café.

Als Renate schließlich auftauchte, kam sie tatsächlich durch die Schnacktür.

Elke stand gerade an der Kaffeemaschine.

„Dein Eigentum wartet.“

Renate blieb stehen.

„Ist es gekommen?“

Elke zeigte auf den Karton.

„Offenbar wohnst du jetzt hier.“

Renate stellte ihre Tasche ab.

„Praktisch. Dann muss ich nicht so weit laufen.“

„Sehr praktisch.“

„Du bist doch sowieso da.“

Elke sah sie an.

Renate sah zurück.

Dann griff sie nach dem Paket.

„Möchtest du wissen, was drin ist?“

„Nein.“

Renate hielt inne.

„Gar nicht?“

Elke nahm zwei Tassen aus dem Regal.

„Wenn du jetzt schon Pakete hierher liefern lässt, will ich mir wenigstens die Illusion erhalten, dass ich nicht alles wissen muss.“

Renate grinste.

„Wolle.“

Elke stellte die erste Tasse unter die Maschine.

„Natürlich.“

„Sehr schöne Wolle.“

„Das macht es bestimmt besser.“

Renate öffnete den Karton trotzdem.

Drei Knäuel kamen zum Vorschein.

Ein dunkles Grün, ein warmes Gelb und ein gedecktes Blau.

Elke warf einen Blick darauf.

„Das Gelb ist schön.“

Renate hob die Augenbrauen.

„Du wolltest doch gar nicht wissen, was drin ist.“

Elke schob ihr die zweite Tasse hin.

„Ich habe nur geguckt.“

„Natürlich.“

Ein paar Minuten später saßen sie mit Kaffee am kleinen Tisch nahe der Schnacktür.

Der Karton stand zwischen ihnen auf dem Boden.

Draußen fuhr irgendwo ein Fahrrad vorbei. Im Café klapperte Geschirr. Durch die hintere Tür zog für einen Moment kühle Luft herein, bevor sie wieder ins Schloss fiel.

So unspektakulär kann Vertrautheit aussehen.

Die Schnacktür gehört einfach dazu. Menschen kommen herein, rufen ein „Moin“ in den Raum und wissen, dass sie hier richtig sind.

Und manchmal landet auf diesem Weg eben auch ein Paket im Café, das eigentlich für Renate bestimmt ist.

In Westerum gehört so etwas ganz selbstverständlich zum Alltag.

Besonders in der Lütten Straße 13.


Westerum weiter entdecken

Die Schnacktür ist nur eine der kleinen Eigenheiten, die zu Westerum gehören.

Im Strickcafé, in der Lütten Straße und bei den Menschen im Ort geht das Leben weiter – mit kleinen Geschichten, vertrauten Momenten und Dingen, die manchmal ganz anders laufen als geplant.

Wenn du Westerum weiter kennenlernen möchtest, findest du auf der Westerum-Seite mehr über den Ort, seine Menschen und den ersten Fall.



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